Grundzüge des Wiederladens kurz erklärt – Teil I

Warum muss man seine Munition selber herstellen, wenn der Handel voll ist mit Fabrikmunition? Eine berechtigte Frage, die es zu klären gilt. Hierbei muss man zuerst einmal unterscheiden, für welchen Zweck man die Munition verwenden will. Dabei sollte man wissen, dass zwischen einer jagdlichen und sportlichen Präzision unterschieden wird und jede Waffe bzw. jeder Lauf auf ein und die selbe Munition unterschiedlich reagiert.

Schauen wir uns doch mal die beiden eben genannten Einsatzbereiche an:

  • Jagdlich toleriert man oft eine größere Abweichung. Der Jäger will das Stück auf einer bestimmten Fläche treffen, um einen tödlichen aber auch waidgerechten Schuss anzutragen. Nehmen wir an, der Jäger möchte ein Reh, sagen wir einen stattlichen Bock strecken. So würde ich sagen, dass das Trefferfeld so groß wie ein kleiner Teller ist. Wir sprechen hier von einem Kammerschuss, der Bock steht breit und wir treffen ihn so, dass das Geschoss Lunge und / oder Herz trifft und somit ein schneller Tod eintritt. Das verwendete Geschoss ist im Gegensatz zum sportlich verwendeten meist ein Teilmantelgeschoss bzw. ein Zerlegungsgeschoss. Es besteht aus zwei „Komponenten“ bzw. ist in zwei Teile aufgeteilt. Der eine Teil ist für die Wirkung im Wildkörper zuständig, er „pilzt“ auf und richtet den tödlichen Schaden an Herz und / oder Lunge an. Der andere Teil ist meist aus einem härteren Metall gefertigt und soll einen Austrittswunde verursachen. Diese sorgt dafür, dass das Stück schnell ausblutet und ein Anschuss vorhanden ist. Ausbluten deshalb, weil Blut bzw. Schweiß, wie es im Jägerlatein heißt, ein idealer Nährboden für Keime ist und schnellstmöglich aus dem Wildkörper heraus muss. Im Falle eines nicht tödlichen Treffers liefert der Anschuss dabei, wertvolle Hinweise ob und wo das Stück getroffen wurde, um eine effektive Nachsuche starten zu können.
Moderne Zentralfeuerpatronen in verschiedenen Kalibern
Moderne Zentralfeuerpatronen in verschiedenen Kalibern
  • Unter sportlichen Gesichtspunkten sieht das schon ganz anders aus. Wenn wir hier, wir nehmen an, dass wir ein großkalibriges Gewehr auf 100 m schießen, einen Schuss abgeben, so wollen wir bestenfalls in die Mitte der Scheibe treffen. Es geht also um Millimeter. Um so höher die Entfernung ist, diese kann bei Longrange-Wettbewerben schon mal bis zu 1000 m betragen, um so größer wirken sich die Unterschiede bei der gewählten Munition aus. Ein Indiz, dass dem so ist, kann man im militärischen oder polizeilichen Bereich finden. Sondereinheiten verwenden meist nur handgefertigte Munition, um die leichten Schwankungen in der Fertigung von Fabrikmunition zu umgehen, da hier absolute Präzision gefordert ist. Auch ist der finanzielle Aspekt nicht außer Acht zu lassen, den man durch wiedergeladene Munition generieren kann, falls man die Komponenten günstig einkauft. Wer regelmäßig auf dem Stand ist, große Kaliber schießt und mehr als ein paar Schuss fliegen lässt, dem kann Selbstgemachtes schnell ein paar Euro sparen (den zeitlichen Aufwand hier mal außer Acht gelassen).

So kann in Summe festhalten werden, dass der geneigte Jäger und Flachland-Tiroler, ich spreche hier auch von mir selbst, jagdlich gesehen sehr wohl auf Fabrikmunition zurückgreifen kann. Es gibt eine große Auswahl an Fabrikmunition in den gängigen Kalibern, die auf jagdliche Distanzen bis 150m, wie sie bei uns geschossen werden, völlig akzeptabel Ergebnisse liefern. Ein Vorteil von selbstgeladener Munition im jagdlichen Bereich ist aber doch anzuführen: Wenn man verschiedene Geschosstypen aus ein und der selben Waffe verschießen will, so ist es möglich, durch die entsprechende Laborierung ein analoges Trefferbild zu schaffen.

Doch wenn wir sportlich mit unserem Schuss größere Distanzen 300m + überbrücken wollen oder ein sehr exotisches Kaliber schießen wollen, so kommen wir um das Thema Wiederladen nicht herum.

Erlaubnis nach §27 SprengstoffG
Erlaubnis nach §27 SprengstoffG

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass das Wiederladen eine gesonderte Erlaubnis nach §27 SprengstoffG erfordert. Das heißt, wenn ihr eure „Mumpeln“ selber stopfen wollt, müsst ihr einen Kurs absolvieren, dieser hat bei mir zwei Tage gedauert, und eine schriftliche Prüfung ablegen. Erst dann habt ihr die Erlaubnis, NC-Pulver (Nitrocellulose-/Schwarz-Pulver) zu kaufen und eure Munition selbst zu machen. Voraussetzungen hierfür sind:

  • Ein Mindestalter von 21 Jahren
  • Der Nachweis der persönlichen Eignung und Zuverlässigkeit
  • Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung
  • Der Nachweis eines Bedürfnisses, z.B. die Jagd

Erfahrt im nächsten Beitrag mehr über das Thema Wiederladen, die einzelnen Schritte und welches Equipment man dazu benötigt.

Wmh und gut Schuss, euer Alex

Hinweis: unbezahlte Werbung – die im Test / Bericht erwähnten oder gezeigten Produkte wurden von mir selbst gekauft und bezahlt – ich stehe mit den Herstellern in keinerlei wirtschaftlicher Beziehung.

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