Im ersten Teil meiner kleine Wiederladerreihe „Grundzüge kurz erklärt“ haben wir uns dem Thema des Sinn und Zwecks der eigen hergestellten Munition für die Jagd und den Sportschützenbedarf beschäftigt. Anschließend daran kümmern wir uns heute um das „Wie“. Was benötigt man für Ausrüstung und welche Schritte führen mich (nach und nach) zur perfekten Munition.

Wollen wir uns zunächst einmal anschauen, aus was denn eine moderne Zentralfeuerpatrone besteht. Für den routinierten Jäger bzw. Sportschützen gehört dies natürlich zum Grundwissen. Für den geneigten Interessenten zählen wir die Komponenten doch nochmals kurz auf:

  1. Geschoss
  2. Hülsen
  3. Pulver
  4. Anzündhütchen (Primer)

Hierbei ist die Aufgabenverteilung klar! Durch den Schlagbolzen der nach dem Betätigen des Abzuges auf das Anzündhütchen schlägt, wird das in der Hülse befindliche Pulver entzündet, was sich explosionsartig ausbreitet und das Geschoss durch den Lauf treibt, welches eine ballistische Kurve beschreibt und ins Ziel (oder auch nicht) fliegt und ein Loch in einer Zielscheibe oder einem Stück Wild hinterlässt. Außer Betracht lassen wir hier mal Kleinkalibermunition und Schrotpatronen. Dass es die verschiedenen Komponenten auch in verschiedenen Ausführungen, Farben und Formen gibt und eine abschließende Aufzählung „fast“ unmöglich ist, sei an dieser Stelle noch erwähnt. Wir werden uns von Zeit zu Zeit mal mit der ein oder anderen Kombination beschäftigen.

Weiter geht es mit der Ausrüstung, die wir benötigen, um unsere eigene flugtaugliche Munition herzustellen:

  1. Ladepresse
  2. Zündhütchensetzgerät
  3. Hülsentrimmer
  4. Hülsenreinigungsgerät (Tumbler, Ultraschallbad etc.) –> zur Not tut es auch die Waschmaschine*, wenn die Frau außer Haus ist 😉
  5. Waage (analog oder als Füllautomat)
  6. Pulvermaß
  7. Schieblehre
  8. Entgradungswerkzeug
  9. Fettkissen und / oder Graphit
  10. Matritzensatz (für das zu ladende Kaliber)
  11. Ladebrett

Wie auch in anderen Bereichen der Konsumwelt, gibt es auch hier alle Variationen von billig bis preislich völlig überzogen. Aber am Endes des Tages muss jeder selbst entscheiden, was er bereit ist, für sein Hobby auszugeben. Die im Beitrag gezeigten Marken stellen auch meinerseits kein absolutes „Kaufmuss“ dar, aber wie hat es mein Lehrgangsleiter am MSZU gesagt: “ Ich werden Ihnen keine Empfehlung geben, aber die Farben grün und orange sind garnicht so verkehrt“. Schreibt mir gerne eine Mail, wenn Ihr mehr in Sachen Ausrüstung wissen wollt oder ich euch anderweitig zu diesem Thema behilflich sein kann.

Ok, jetzt aber genug der schönen Worte, es geht ans Eingemachte:

Schritt 1: Aufbereitung des Rohmaterials

  • Hülsen einfetten (innen uns außen)
  • Hülsen Kalibrieren, Zündhütchen ausstoßen (meist ein Schritt)
  • Hülsen vermessen und bei Bedarf Trimmen

Selbstredend sind diese Schritte bei Neuhülsen überflüssig! 😉

Schritt 2: Anzündhütchen setzen

Schritt 3: Pulver abwiegen und abfüllen

Schritt 4: Geschosse verladen

Et voila, fertig ist die selbst gemachte Patrone, fertig zum Einsatz auf dem Stand oder der Jagd. Aber halt!!! Nicht so schnell mit den jungen Pferden! Vorher muss man ausführlich testen, bevor man die Munition in einem Wettkampf oder der Jagd verwendet.

Hierzu geht es ab auf den Stand. Wenn ich eine neue Kombination von Geschoss und/ oder Pulver und/ oder Hülse ausprobiere, baue ich mir eine sogenannte Ladeleiter. Hier verlade ich Geschosse mit unterschiedlicher Ladung und wähle am Ende die aus, welche den geringsten Streukreis hat. Hierauf kann man dann im Nachgang sein Zielfernrohr einstellen.

Lasst mich noch kurz ein Wort zu Kurs verlieren, der euch dem Schein näher bringt, welchen ihr zum Mumpeln machen zwingend braucht. Ihr müsst am ersten Tag des Kurses „zwingend“ eure Zuverlässigkeit nachweisen. Hierzu reicht es nicht, wenn ihr sagt, ich habe doch eine WBK oder den Jagdschein. Ihr müsst vorab zum Amt und das ganze beantragen. Bis ihr den Wisch habt, vergehen ein paar Tage. Also rechtzeitig vorher daran denken. Warum ich das erwähne, trotzdem es bei der Anmeldung immer deutlich gemacht wird? Auch in meinem Kurs wurden zwei Teilnehmer wieder unverrichteter Dinge heim geschickt .

Ein Hinweis zum Schluss: Wenn ihr euch fragt, warum im Bereich der Ladedaten nicht konkreter geworden bin, das hat „leider“ rechtliche Gründe. Aber zum Glück gibt es genug Ladetabellen oder Bücher der Hersteller von Pulver oder Geschossen, die euch weiter helfen können.

Auch möchte ich hier noch ein digitales Tool kurz erwähnen, welches ich sehr genial finde. Es nennt sich GOT (Gordons Reloading Tool), ist kostenlos zu haben und wir von einem sehr passionierten Wiederlader betrieben. Es ermöglicht euch, verschiedene Kombinationen von Geschossen, Pulversorten, Hülsen und Primern zu simulieren. Toll, was Gorden hier auf die Beine gestellt hat. Eine echte Alternative zu kommerziellen Tools!

Solltet ihr weitere Fragen haben oder gar Material zum Wiederladen benötigen, dann schreibt mich gerne an.

Wmh und gut Schuss!

Euer Alex

——————————————————————————————————————–

* Nehmt einen kleinen Wäschesack, Geschirrtücher die eh in die Wäsche müssen, wickelt darin die Hülsen ein und lasst sie mit der 60° Wäsche mitlaufen.

Unbezahlte Werbung – die im Test / Bericht erwähnten oder gezeigten Produkte wurden von mir selbst gekauft und bezahlt – ich stehe mit den Herstellern in keinerlei wirtschaftlicher Beziehung.

Das Wiederladen erfordert zwingend eine gesonderte Erlaubnis nach §27 SprengstoffG!

Gewehr bei Fuss